Psychose in der Familie: Das Leben mit meiner schizophrenen Schwester

Sophia (30) macht sich große Sorgen um ihre Schwester Mia (33). Nach einigem sonderbaren Verhalten wurde ihr Schizophrenie diagnostiziert. Sie fragt sich, wie sie ihrer Schwester helfen kann und dabei aber trotzdem nicht auf sich selbst zu vergessen. Außerdem wundert sie sich über den Zustand des Psychiatrischen Systems in Österreich.

Betreff: Selbstüberwindung und das Gute tun, Schwester mit psychischer Krankheit

Sehr geehrter Herr Dr. Dr. Bonelli,  

 Meine ältere Schwester Mia ist eine sehr intelligente, immer schon sehr ehrgeizige Person gewesen und abenteuerlustig. Hat in Wien zwei Studien gleichzeitig studiert Biologie und Tibetologie (leider beide abgebrochen), für die Matura hat sie nicht viel gelernt bzw. war eine Woche davor auf Hippie Festivals gewesen und dann mit ausgezeichnetem Erfolg bestanden. Sie hat sich immer schon sehr viele Gedanken über alles mögliche (tieferen Sinn des Lebens, Traumas usw.) gemacht, und wollte auch immer Antworten finden – durch Tarot-Karten und Astrologie.  

Sie hat auf einem Schiff gearbeitet und dort einen sehr netten Mann kennengelernt, mit dem sie dann nach Deutschland zog – also weg von der Familie, damals war sie um die 23 Jahre alt schätze ich..  

Es war ziemlich ernst mit ihnen beiden. Jedoch hat sie sich nicht so angekommen gefühlt damals… er hat viel gearbeitet und gewisse Gefühle ihrerseits nicht so ernst genommen. Das hat sie sehr mitgenommen und nach ca. 3 Jahren die Beziehung beendet. 

Danach hat sie 1-2 Jahre noch in Deutschland gelebt bis sie endlich in der Covid Zeit zurück nach Wien gezogen ist. Das war dann die Zeit wo es anfing..  

Ihre Krankheit hat klare Zeichen gezeigt.. sie meinte sie könne mit Engeln sprechen, Stimmen gehört, dachte sie könnte meine Gedanken lesen, plötzliches Lachen, Weinen, hat sich in einen Influencer verliebt und wollte zu ihm nach Miami fliegen. 

Aja, das habe ich vergessen zu erwähnen, früher in der Studienzeit hat sie Marihuana konsumiert und auch Pilze. 

Es war für uns alle klar es ist Schizophrenie, weil auch meine Tante mütterlicherseits auch jahrelang mit dieser Krankheit gekämpft hat. (In Österreich wurde sie nie wirklich therapiert, obwohl sie das angeblich mehrmals versucht hat, erst in Kroatien wurde die Tante dann selbst/zwangseingewiesen… und erfolgreich therapiert). Meine Schwester wurde auch öfter eingewiesen aber immer nach 1 Tag freigelassen. Letztes Jahr hat sie sich selbst ins AKH eingewiesen, war dort 3 Wochen lang.. Diagnose Schizophrenie.. sie denkt auch, dass sie der Messias sei. Also Jesus. Sie akzeptiert aber diese Diagnose nicht.. Ein paar Medikamente hat sie auch genommen, leider nicht langfristig. 

Sie arbeitet nicht, hat ihre Wohnung, ist dort die meiste Zeit alleine und manchmal kommt sie auch zu meiner Mutter und bleibt dort auch für paar Wochen. Manchmal hat sie klare Momente und ist ansprechbar, die meiste Zeit ist sie aber in ihrer Welt. Sitzt und raucht nur.  

Für uns ist das alles extrem schwer damit umzugehen, wir waren alle immer schon gläubig aber diese extrem schwierige Zeit, mit Trauer, Verwirrung, Wut, Angst haben uns, meine jüngere Schwester, Mutter und mich, noch mehr zu Gott gebracht. Wenn es Gottes Wille ist, wird sie gesund.  

Mir fällt es extrem schwer mich selbst zu überwinden und mit ihr Zeit zu verbringen, wegen all diesen Gefühlen.. Wie Sie, Dr. Bonelli, auch darüber gesprochen haben, das „sich selbst mal Zeit für sich zu nehmen“ – danke, dass Sie darüber gesprochen haben. 

Aber in mir ist dieser Kampf sehr stark… wie soll ich ihr helfen aber auch mich selbst schützen?  

In wieweit bin ich egoistisch?  

Was kann ich überhaupt machen?  

Ich will und ich will nicht helfen.  

Warum ist das Psychiatrische System in Österreich so schwach, inkonsequent?  

Ich verstehe, dass es schlimm ist, jemanden gegen seinen Willen zu therapieren. Aber die Alternative zu dem ist zB. meine Schwester könnte jetzt noch 10 Jahre so leben -sitzend, rauchend, unberechenbar, mit Suizidgedanken… Wer weiß ,was sie sich selbst antun könnte. Und dann ist sie 43 Jahre alt, hat ihr Leben lang nichts gearbeitet, keine Familie aufgebaut, ihr Potential nicht ausgelebt.  

Das einzige was meine Mutter und ich machen können ist die Erwachsenenvertretung zu beantragen.  

Es ist einfach für meine Familie und mich ein sehr langer Weg noch zur Besserung.  

  

Vielen Dank im Voraus und Liebe Grüße!  

Gott segne Sie! 

Die Auflösung dieses FALLES
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